DGUV Barometer Arbeitswelt 2026 Weniger Arbeitsunfälle – Mehr Sorge wegen Krisen

72 Prozent der Bau-Beschäftigten bewerten die Lage ihres Unternehmens als gut. Gleichzeitig fehlen in jedem zweiten Betrieb Sicherheitsbeauftragte, und nur 15 Prozent haben Kommunikationswege für den Krisenfall festgelegt. Die wichtigsten Ergebnisse des DGUV Barometers Arbeitswelt 2026 im Überblick.

Trotz sinkender Unfallzahlen bundesweit bleibt das Sturzrisiko im Baugewerbe mit 36 Prozent ein kritischer Faktor. - © Halfpoint - stock.adobe.com

Die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland sinkt seit Jahren kontinuierlich. Nach aktuellen Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) wurden zuletzt rund 731.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle registriert – etwa 24.000 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl tödlicher Arbeitsunfälle ging leicht zurück.

Als Hauptgrund gilt die verbesserte Präventionsarbeit in den Unternehmen. Durch gezielte Maßnahmen konnten nicht nur Unfälle reduziert, sondern auch hohe Folgekosten etwa für Rehabilitation vermieden werden.

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus: Während klassische Arbeitsunfälle abnehmen, wachsen die Sorgen rund um Krisen und Notfälle. Unternehmen sehen sich zunehmend mit Risiken wie Naturkatastrophen, Lieferkettenstörungen oder Cyberangriffen konfrontiert. Zwar fühlen sich viele Betriebe gut auf Pandemien oder Brände vorbereitet, doch bei anderen Krisenszenarien besteht deutlicher Nachholbedarf. Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen Branchen – und hier fällt vor allem das Baugewerbe negativ auf.

Baubranche wirtschaftlich stabil – aber strukturelle Probleme bleiben

Das Baugewerbe präsentiert sich wirtschaftlich robust: 72 Prozent der Beschäftigten bewerten die Lage als gut oder sehr gut – einer der höchsten Werte im Branchenvergleich.

Doch hinter der positiven Konjunktur stehen massive Herausforderungen:

  • Bürokratie belastet 63 Prozent der Unternehmen
  • Fachkräftemangel betrifft 58 Prozent
  • Inflation und steigende Kosten nennen 57 Prozent als Problem

Diese Faktoren setzen die Branche zunehmend unter Druck und verschärfen bestehende strukturelle Schwächen.

Hohe Unfallrisiken und körperliche Belastungen am Bau

Die Baubranche bleibt eine der gefährlichsten Arbeitsumgebungen. Typische Risiken sind weiterhin stark verbreitet:

  • 55 Prozent sehen Gefahren durch Stolpern, Rutschen oder Stürzen
  • 43 Prozent nennen den Umgang mit Werkzeugen als Risiko
  • 36 Prozent arbeiten mit Absturzgefahr – Höchstwert aller Branchen
  • 26 Prozent sind Risiken im Straßenverkehr ausgesetzt

Hinzu kommen erhebliche körperliche Belastungen: Rund ein Drittel der Beschäftigten klagt über schwere körperliche Arbeit, etwa durch Heben und Tragen.

Auch organisatorische Faktoren erhöhen das Unfallrisiko:

  • Hohe Arbeitsbelastung (39 Prozent)
  • Mangelhafte Kommunikation (31 Prozent)

Zunehmend relevant sind zudem klimatische Bedingungen: Hitze, Kälte und Extremwetter treffen Bauarbeiter deutlich stärker als andere Berufsgruppen.

Defizite beim Arbeitsschutz und in der Sicherheitsorganisation

Ein zentrales Problem der Branche liegt in der unzureichenden Organisation des Arbeitsschutzes. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen zeigt sich deutlicher Nachholbedarf:

  • Nur 52 Prozent berichten von vorhandenen Sicherheitsbeauftragten
  • Brandschutzhelfer gibt es lediglich in 45 Prozent der Betriebe
  • In 56 Prozent der Fälle finden keine Brandschutzübungen statt

Lediglich bei der Ersthilfe ist das Baugewerbe mit 80 Prozent relativ gut aufgestellt. Diese Zahlen zeigen: Trotz hoher Risiken fehlt es häufig an grundlegenden Sicherheitsstrukturen.

Schwache Krisenvorsorge: Baugewerbe besonders anfällig

Auch bei der Vorbereitung auf Krisen schneidet die Baubranche unterdurchschnittlich ab. Laut DGUV-Barometer:

  • Nur 41 Prozent halten ihr Unternehmen für gut auf Brände oder Explosionen vorbereitet
  • Notfall- und Krisenpläne existieren lediglich bei 20 Prozent
  • Nur 24 Prozent messen Prävention eine sehr hohe Bedeutung bei

Im branchenübergreifenden Vergleich wird deutlich: Während andere Sektoren verstärkt in Krisenvorsorge investieren, bleibt das Baugewerbe zurück. Besonders kritisch ist dies angesichts wachsender Risiken durch Extremwetter, Lieferkettenprobleme und andere Störungen. avs mit dpa